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WELT INTERVIEW: Mega-Deal von Fiat-Chrysler und PSA – "Auf die Größe kommt es an"



In der Autobranche bahnt sich eine transatlantische Mega-Fusion an. Die Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler wollen den viertgrößten Autohersteller der Welt schmieden. Beide hätten sich auf offizielle Fusionsgespräche verständigt, teilten die Konzerne in einem gemeinsamen Statement am Donnerstag mit. Im WELT-Studio erläutert Auto-Experte Andreas Kessler die Hintergründe des Mega-Deals.

Der neue Konzern könne 8,7 Millionen Fahrzeugen pro Jahr absetzen, hieß es in der Mitteilung. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären größer als der neue Auto-Riese. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als 11 Milliarden Euro ohne die Marken der Zulieferer Magneti Marelli und Faurecia.

Die Konzerne versicherten weiter, dass sich mit einer Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen ließen, ohne eine Fabrik im Zuge des Deals zu schließen. Die Effizienzgewinne, die sich etwa aus Einsparungen beim gemeinsamen Einkauf ergäben, ließen sich nach vier Jahren zu 80 Prozent heben. Allerdings wird die angepeilte Fusion auch viel Geld kosten: PSA und Fiat Chrysler rechnen mit einmaligen Kosten von 2,8 Milliarden Euro.

Es wird ein Zusammenschluss «unter Gleichen» angestrebt mit einem ausgewogen besetzten Vorstand unter Führung von PSA-Chef Carlos Tavares als Vorstandsvorsitzendem. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann – Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli – würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen. Die FCA-Aktionäre sollen eine Sonderdividende von 5,5 Milliarden Euro erhalten. Peugeot würde nach der Mitteilung vom Donnerstag 46 Prozent seiner Anteile an Faurecia an seine Aktionäre verteilen.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach. Opel gehört seit gut zwei Jahren zu PSA und wird mit harter Hand auf Effizienz und Gewinne getrimmt.

Die Märkte reagierten am Donnerstag uneinheitlich auf die Ankündigung. Die FCA-Papiere am der Böse in Mailand gingen weiter um 9,6 Prozent nach oben auf ein Hoch seit Mai. Die PSA-Anleger jedoch reagierten ernüchtert: mit einem 10-prozentigen Abschlag fielen sie sogar unter ihr Niveau vom Dienstag, also bevor die Fusion am Markt zum Thema wurde.

Frankreich begrüßte die Fusionspläne. Am Ende könnte ein Konzern mit rund 400 000 Mitarbeitern stehen, erklärte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Donnerstag in Paris. Die beabsichtigte Fusion sei eine Antwort «auf die Notwendigkeit für die Autobranche, sich zu konsolidieren», sagte der Minister. Die französischen Gewerkschaften FO und CFTC betrachten laut Nachrichtenagentur AFP die Fusion eher als «Chance», während sich die CGT beunruhigt zeigte.

In Rom sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass es sich um eine «Marktoperation» handele. «Ich kann das Abkommen nicht beurteilen, aber was der Regierung am Herzen liegt ist, dass das Produktions- und Beschäftigungsniveau in Italien gesichert ist», sagte Conte. Die Bürgermeisterin der Fiat-Stadt Turin, Chiara
Appendino, sagte, die Kommune verfolge die Entwicklung «mit großer Aufmerksamkeit». Der Präsident des Inudstrieverbandes Confindustria, Vincenzo Boccia, sagte, ein möglicher europäischer Riese liege auf der Linie, die Confindustria unterstütze.

In Deutschland reagierte die IG Metall vorsichtig auf die geplante Fusion der Opel-Mutter PSA mit Fiat Chrysler. Spekulationen über mögliche negative Folgen für die deutschen Opel-Standorte seien «kontraproduktiv und schädlich», erklärte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger, am Donnerstag in Frankfurt. Die IG Metall werde sich daher daran nicht beteiligen.

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